Schwanzmeisen - Quirlige Artisten mit spannendem Sozialverhalten

Aktualisiert: 29. Dez 2020



Gäbe es beim berühmten Internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo eine Kategorie für Vogelartistik, dann wären die kleinen Schwanzmeisen sicher schon oft eingeladen worden.


Das 9 g leichte und nur etwa 14 cm große Vögelchen besitzt einen Schwanz in der Länge von 7-9 cm. Diese Balancierstange befähigt es zu außergewöhnlichen turnerischen Leistungen an den alleräußersten Zweigenden in luftiger Höhe. Die kleinen Artisten können sich kopfüber an Zweigen bewegen, sich um 90 Grad drehen und mit einem Fuß haltend zum nächsten Zweig wechseln. Durch diese Fähigkeiten besetzen sie eine besondere ökologische Nische und gelangen an Nahrung (Insekten, Raupen, Knospen, Beeren, Flechten und Algen), die für andere Tiere unerreichbar ist.


Schwanzmeisen sind besonders soziale Tiere. Wenn nicht gerade Brutzeit ist, sind sie immer in Schwärmen von 20-30 Tieren unterwegs und verteidigen als Schwarm ihr Territorium. Auch ihr Brutverhalten ist bemerkenswert. Weibchen und Männchen gemeinsam benötigen etwa 33 Tage, um ein kugelförmiges Nest aus circa 2000 Einzelteilen zu erbauen. Aus Moosen, Flechten, Spinnweben, Federn und Tierhaaren sowie Pflanzenfasern, welche allesamt sehr fein verflochten werden, entsteht ein richtiger Prachtbau. Das eiförmige, geschlossene Nest ist fest mit umliegenden Zweigen verbunden und hat nur eine winzige Öffnung nach Osten. Innen ist es so aufwendig mit Federn gepolstert, dass es zu den weichsten Nestern in der Vogelwelt gehört.


Sobald nach 14tägiger Brutzeit im März/April die 8-13 Jungvögel schlüpfen, kommt bei der Aufzucht der Kleinen Unterstützung hinzu. Auch Geschwister der Eltern (bis zu 8 Individuen) helfen mit - nur so ist es möglich, eine solch große Anzahl Jungtiere erfolgreich großzuziehen. Welche Onkel und Tanten dabei unterstützen ist nicht genau geklärt. Es könnten Vögel sein, deren eigener Brutversuch missglückt ist oder die kein gutes Revier ergattert haben. Dieses Geheimnis ist bisher aber noch ungelöst. Wenn die kleinen Schwanzmeisen nach etwa 14 Tagen das Nest verlassen, werden sie anschließend nochmals für etwa 14 Tage weiter mit Futter versorgt. Danach schließen sie sich mit anderen Jungvögeln zusammen und sind nach Schwanzmeisenart in Trupps unterwegs.



Schwanzmeisen sind übrigens keine "richtigen" Meisen, sondern bilden eine eigene Familie mit weltweit 13 Arten. In Europa zählen zu den nächsten Verwandten die Laubsänger- und Grasmückenarten. Man sieht bei uns verschiedene Unterarten, die sich besonders durch die Farbe der Kopfbefiederung unterscheiden. Insbesondere im Winter kommen auch Vögel aus dem Norden zu uns, die eine reinweiße Kopffärbung haben. Unsere einheimischen Schwanzmeisen haben feine dunkle Federn am Kopf.



Und wo findet ihr die hübschen hellrosa Federbällchen? Schwanzmeisen leben gerne in der Nähe von Gewässern. In Auenlandschaften werdet ihr sie fast immer antreffen. Aber auch in Laub- und Mischwäldern, in Parks und Friedhöfen findet ihr sie - Hauptsache strukturreich und möglichst naturbelassen. Schwanzmeisen sind gar nicht so selten. Aber da sie klein, quirlig, sehr schnell und oft hoch oben in den Bäumen herumturnen, lassen sie sich nicht so einfach beobachten. Wenn ihr ihnen schon ein paar Mal begegnet seid, werdet ihr sie wahrscheinlich schon bei der Annäherung am hellen Gezwitscher erkennen. Die Vögel halten im Schwarm untereinander stimmlich Kontakt und sind dadurch relativ auffällig. Dennoch bedarf es, wie bei jeder Tierbeobachtung in freier Natur, ein wenig Glück wenn ihr die Artisten der Zweigspitzen bewundern möchtet. Aber das sind dann auch die kleinen, immer wieder magischen Momente, die das Draußensein zu etwas Besonderem machen. Habt Geduld und lasst euch dann von den lebhaften Akrobaten verzaubern.

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