Ohne Moos nix los!

Aktualisiert: Jan 9



Moose gelten als die ersten landbewohnenden Pflanzen unseres Planeten. Sie sind sehr einfach aufgebaut, besitzen keine echten Wurzeln zur Nahrungsaufnahme, lediglich feine Strukturen zum Verankern auf dem Untergrund. Nahrung entnehmen sie aus der Umgebungsfeuchtigkeit, Vermehrung erfolgt über Sporen wie bei Farnen. Aber sie sind die Pionierpflanzen schlechthin. Woran liegt das?


Moose sind wahre Überlebenskünstler. Es gibt sie seit circa 400 Millionen Jahre auf der Erde. Seit damals haben sie alle Klimakatastrophen überlebt. Forscher haben inzwischen besondere Moosgene entdeckt, mit deren Hilfe die unscheinbaren Pflänzchen beispielsweise bis zu 1500 Jahren unter Eisgletschern überleben konnten. Viele Arten überdauern sowohl Einfrieren als auch Austrocknen über Jahrhunderte. Eine erstaunliche Leistung.


Die etwa 16.000 Moosarten der Erde können sich auf Untergründen aller Art ansiedeln. Ob Holz, glatter Fels oder karger Boden. In den zarten Moosblättchen sammelt sich auch feinstes Umgebungsmaterial und es kommt schrittweise zur Bildung von Erde. Darauf wiederum können sich weitere Pflanzen mit größeren Ansprüchen ansiedeln. Dies zusammen mit der enormen Wasserspeicherkapazität des Materials (ein mehrfaches seines Eigengewichts) machen das Moos zum perfekten Wegbereiter für anspruchsvolleres Leben.



Was kann Moos darüber hinaus?

Moospolster sind wunderbarer Lebensraum für Kleinstlebewesen. Im Moos leben auf einem Quadratmeter bis zu 60.000 Individuen - von Insekten, Reptilien über Schnecken bis zum Regenwurm. Diese Mitbewohner schätzen das feuchte Klima und den regelmäßigen Nahrungsnachschub durch am Moos hängen bleibende und darauf fallende Pflanzenreste. Das von den Kleinstlebewesen verarbeitete Material dient der Umgebung nach der Ausscheidung wiederum als Humus. Moos als Basis eines perfekten Recyclingprozesses.


Torfmoose sind die Erbauer von Hochmooren. In diesen Mooren werden große Mengen CO2 dauerhaft im Torf gebunden. Dadurch kommt es zu einer starken Verzögerung der Klimaerwärmung.


Ähnlich wie Flechten können Moose als Bioindikatoren dienen. Sie sind, je nach Art, sehr stark an bestimmte Umweltbedingungen gebunden. In der Schweiz werden sie sogar zur Messung der Schwermetallbelastung eingesetzt, weil sie alle Niederschlagsbestandteile ungefiltert aufnehmen und speichern.



Hervorzuheben ist auch der Wert des Mooses als Bau- und Füllmaterial. Allgemein bekannt ist, dass Vögel ihre Nester gerne mit Moos auspolstern. Aber auch wir Menschen haben uns die besonderen Fähigkeiten des Mooses zunutze gemacht. Es kam und kommt als Füllmaterial (Wandfugen, Matratzen, Kopfkissen, Verpackungsmaterial, Sargfüllung, Schuhsohlen), als Windel, Toilettenpapier und im Modellbau zum Einsatz.


Da Moos auch antimikrobielle und pilztötende Fähigkeiten besitzt, wurde es in der traditionellen Medizin auch zu Salben und Tinkturen verarbeitet. Bis zum ersten Weltkrieg wurden Moose auch häufig als Wundkompressen eingesetzt.



In der Nahaufnahme wird klar, das Moos entspricht einer kompletten Miniatur-Lebenswelt. Ein dicht besiedelter Urwald im Kleinen.


Siegfried von Vegesack (1888–1974) hat die vielen besonderen Eigenschaften dieses faszinierenden kleinen Pflänzchens in einem treffenden Gedicht so beschrieben:


Moos

Hast du schon jemals Moos gesehen? Nicht bloß so im Vorübergehen, so nebenbei, von oben her, so ungefähr – nein, dicht vor Augen, hingekniet, wie man sich eine Schrift besieht? Oh Wunderschrift! Oh Zauberzeichen! Da wächst ein Urwald ohnegleichen und wuchert wild und wunderbar im Tannendunkel, Jahr für Jahr,


mit krausen Fransen, spitzen Hütchen, mit silbernen Trompetentütchen, mit wirren Zweigen, krummen Stöckchen, mit Sammethärchen, Blütenglöckchen, und wächst so klein und ungesehen – ein Hümpel Moos. Und riesengroß die Bäume stehen.


Doch manchmal kommt es wohl auch vor, dass sich ein Reh hierher verlor, sich unter diese Zweige bückt, ins Moos die spitzen Füße drückt und dass ein Has, vom Fuchs gehetzt, dies Moos mit seinem Blute netzt … Und schnaufend kriecht vielleicht hier auch ein sammetweicher Igelbauch, indes der Ameis’ Karawanen sich unentwegt durchs Dickicht bahnen. Ein Wiesel pfeift, ein Sprung und Stoß … und kalt und groß gleitet die Schlange durchs Moos …


Wer weiß, was alles hier geschieht, was nur das Moos im Dunkeln sieht: Kein Wort verrät das Moos. Und riesengroß die Bäume stehen. Hast du schon jemals Moos gesehen?

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