Nutria, wasn des? Nie gehört...

Aktualisiert: vor 5 Tagen



Nein, ich bin und werde zum Verrecken kein Biber. Auch wenn ich immer wieder aufs Neue verwechselt werde. Ha, als könnte ich allen Ernstes mit meinen karottenfarbenen Zähnen ganze Bäume fällen. Dünne Äste kriege ich ja schon durch, aber bringe doch keine Bäume zu Fall. Wozu auch? Da muss sogar ich lachen. Hey Leute, ich bin ein Nutria, kein Biber. Schlimm genug, dass man mich auch noch Sumpfbiber nennt. Schweifbiber oder gar Biberratte, unfassbar.


Dabei bin ich mächtig stolz auf meinen runden schuppenbedeckten und kaum behaarten Schwanz, ganz eindeutig Nutria. Der Biber hat doch ganz anders als ich einen breiten und abgeplatteten Schwanz. Und zudem eine lederartige Haut, die nur an eine Fischhaut erinnert, aber keine Schuppen besitzt.

Also der Schwanz ist schon mal ein ganz eindeutiges Unterscheidungsmerkmal. Das reicht aber wohl nicht, denn wir werden ob wir wollen oder nicht weiterhin verwechselt.

Vielleicht hilft das: Ich habe weiße lange Barthaare, die ihr schon von weitem sehen könnt. Sogar wenn ich schwimme, seht ihr sie ganz deutlich über dem Wasser. Der Biber hat diese auffälligen weißen Barthaare nicht.

Abgesehen davon, dass wir Nutrias auch tagsüber zu sehen sind, der Biber hingegen dämmerungs- und nachtaktiv ist. Also bevor ihr aufschreit: „Da ist ein Biber!“ Schaut erst mal genauer hin.


Fakt ist: Nur Biber können Bäume fällen. Wir Nutrias nicht! Wir haben auch gar kein Interesse daran. Würden wir unbedingt über die Rinde eines ganzen dicken Baumes herfallen wollen? Nein, wir ernähren uns zwar fast rein vegetarisch, das stimmt, aber vorwiegend von Blättern, Stängeln und Wurzeln von Wasserpflanzen. Selten, aber passiert, werden wir auch mal bei einer Schnecke, Wurm oder Süßwassermuschel schwach. Und schwups, verschlungen. So ein kleiner Ausrutscher kann einem Vegetarier schließlich mal passieren.


Glaubt ihr, ich bin freiwillig hier? Nein. Das muss ich mal in aller Deutlichkeit sagen. Kein Nutria ist den weiten Weg von Südamerika freiwillig hierher gekommen. Eingeschleppt wurde ich von euch, ja richtig verstanden, von euch Menschen. Dabei sind die Flüsse, Seen, Teiche und Sümpfe im subtropischen und gemäßigten Südamerika meine ursprüngliche Heimat. Demnach ist es uns bei euch häufig zu kalt im Winter. Ich bin nun mal nicht von hier, das ist einfach nicht mein Klima. In den Frostnächten eines kalten Winters haben wir bei euch echt gelitten. Sieht man uns nicht an, ist aber so.

Auch wenn immer Panik geschoben wird, wir würden uns rasant ausbreiten, stimmt so nicht. Wir sind nicht wirklich angepasst an die Lebensbedingungen hier und halten auch keinen Winterschlaf. Es kommt vor, dass wir sehr kalte Winter einfach nicht überleben. Bitter, aber wahr.


Vermehren uns „wie die Karnickel“? Sterblichkeitsrate unserer Jungen liegt bei 80% im ersten Lebensjahr, das sollte wohl alles aussagen.

Wir haben viele Feinde: Neben dem Mensch, der uns bejagt, in Fallen fängt, gibt es den Fuchs, Marder, Iltis, Mink, Fischotter, Welse, freilaufende Hunde und Katzen, Greifvögel, Eulen, ja sogar Krähen und Graureiher schnappen sich mal eins unserer Jungtiere. Nicht nur die Jungtiere müssen dran glauben, auch wir ausgewachsenen Tiere werden zur leichten Beute in der kalten Jahreszeit. Frost und Kälte schwächt uns. Auch Hochwasser reißt uns hinweg. Grund genug, für viele Nachkommen zu sorgen. Übrigens waren wir in Südamerika bis zum 19.Jahrhundert fast ausgestorben. Wir landen immer noch auf dem Teller.


Warum wurden wir unserer angestammten Heimat entrissen und hierher deportiert? Um uns das Fell abzuziehen. Wir wurden in grauenhaften Käfigen großer Pelzfarmen gehalten und wegen unserer Pelze gezüchtet. Ja genau, mit unserem Fell, das lange Zeit heißbegehrte Ware war, wurde ein florierender Handel betrieben. Hauptabnehmer nach dem zweiten Weltkrieg war übrigens, na ratet mal, Deutschland.

Einige unserer Vorfahren haben es geschafft und sind ausgebüxt. Vielleicht stamme ich ja von einem dieser glücklichen Geschöpfe ab, die es geschafft haben, dem Tod zu entrinnen, wer weiß.


Dass die Mode sich gewandelt hatte und die Pelze nicht mehr modern waren, wurde schließlich unsere Rettung. Das war allerdings erst Ende des 20. Jahrhunderts.

Die Pelzfarmen hatten nach und nach alle ausgedient. Wir wurden, wenn wir nicht getötet wurden, der Einfachheit halber irgendwo ausgesetzt. Natürlich hat man nicht darauf geachtet, dass wir Flüsse und Seen lieben. Wir wurden freigelassen, ob da überhaupt ein Gewässer in der Nähe war oder nicht. Ihr könnt euch bestimmt ausmalen, dass viele von uns die neue Freiheit gar nicht überleben konnten.



Wasser ist schließlich unser Element. Ohne Wasser sind wir verloren. Einen großen Teil unserer Nahrung beziehen wir aus dem Wasser. Oder von der unmittelbaren Uferböschung, wenn sie genug hergibt. Am liebsten halten wir uns dicht am Wasser auf, denn wenn Gefahr droht, sind wir blitzschnell untergetaucht. Wisst ihr eigentlich, dass wir an den Hinterläufen Schwimmhäute haben? Entsprechend sind wir auch perfekte Schwimmer. Müssen wir auch sein, bei so vielen Feinden, die uns tagtäglich an den Kragen wollen.


Gemäß unserer ursprünglichen Heimat in Südamerika erobern wir uns jetzt nach und nach Flüsse und Seen bei euch. Man muss ja schließlich irgendwie überleben.

Anders als der Biber bauen wir unsere Höhlen immer oberhalb des Wasserspiegels in der Uferböschung. Die Eingänge des Biberbaus hingegen liegen ausschließlich unter Wasser. Das ist ein weiterer ganz entscheidender Unterschied.


Man sagt uns nach, dass wir heimische Tiere verdrängen würden. Dabei sind wir Nutrias sehr friedliebende Tiere. Tatsächlich leben wir einträchtig mit Biber, Enten und anderen Wasserbewohnern zusammen.

Da wir Uferbereiche von übermäßigen Bewuchs freihalten, konnten sich sogar seltene Vogelarten wie der Stelzenläufer wieder ansiedeln, die nun optimale Brutbedingungen vorfanden.

Wir regulieren den Bewuchs von Wasserpflanzen in Seen und Flüssen, weil sie eine sehr wichtige Nahrung für uns darstellen. Dadurch fördern wir den Sauerstoffgehalt im Wasser, das wiederum verbessert die Wasserqualität. Selbsterklärend, dass sich das natürlich auch auf die Fischbestände auswirkt.


Wie ihr seht, Menschen lieben uns und sie hassen uns. Viele Menschen sind richtig vernarrt in uns. Kommen jeden Tag vorbei, füttern uns mit Karotten, Äpfeln, leider auch mit Brot, was gar nicht gut für uns ist. Da wir immer wieder als Haustiere gehalten wurden, sind wir menschliche Nähe gewöhnt. Das macht uns angreifbar. Friedfertig wie wir sind, ahnen wir nichts Böses, wenn uns der ach so tierliebe Mensch mal in gar nicht netter Absicht zu nahe tritt. Auch das passiert immer wieder.


Jedes Lebewesen hat seine Daseinsberechtigung und ein Recht zu leben. Täglich zerstört der Mensch weltweit den Lebensraum von immer mehr Tieren und Pflanzen. Es werden unzählige Tiere getötet wegen dem Menschen. Kann es denn die einzige Lösung sein, uns Nutrias zu bejagen und zu töten? Wir regulieren unseren Bestand selbst. Wir haben viele natürliche Feinde.


Jahrzehntelang wurden wir von euch ausgenutzt. Warum lasst ihr Menschen uns jetzt nicht einfach in Frieden leben?


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