Ein extrovertierter Mäusebussard ...

Aktualisiert: Juli 25



Es ist Anfang Juli 2020, Ferienzeit und Hochsommer in der Stadt. Nach einer milden Nacht brechen wir zwei WildnisBotinnen zu einer frühmorgendlichen Erkundungstour mit dem Rad in die Frankfurter Innenstadt auf. Wir möchten herausfinden, wie sich die innerstädtische Stadtnatur bei Sonnenaufgang präsentiert. Welche Tiere sind zu sehen, und wie nah können wir ihnen kommen?

Wir fahren erst einmal entlang des zentralen Anlagenrings. Rechts und links der relativ schmalen Parkanlage rauscht der Autoverkehr. Gegen sechs Uhr früh treffen wir auf das Highlight unserer kleinen Expedition. Eigentlich waren wir dabei, die grasenden Kaninchen zu beobachten, aber dann erregt eine ungewöhnliche Vogelsilhouette auf einer Laterne unsere Aufmerksamkeit. In circa 25 Meter Entfernung sitzt doch wahrhaftig ein Mäusebussard auf einer Laterne vor dem ehemaligen Stadtbad Mitte - ein geradezu skurril wirkendes Bild. Der Vogel lässt sich auch nicht durch darunter hinwegbrausende Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit stören. Keinem der Radfahrer fällt auf, was da über ihren Köpfen sitzt. Menschen können wohl oft nur das sehen, was sie erwarten oder kennen...


Der Mäusebussard bleibt ruhig sitzen und beobachtet alles sehr konzentriert. Wir beginnen enthusiastisch zu filmen und zu fotografieren, trauen uns aber erstmal nicht näher heran. Wir wollen den unerwarteten Greifvogel nicht zu sehr irritieren. Plötzlich räkelt er sich elegant, spreizt die Flügel und hebt ab. Wir dachten, "das war es jetzt wohl". Weit gefehlt, unser Bussard landete in unserer Nähe auf dem Rasen und begann spielerisch Laub aufzupicken und in die Luft zu werfen. Dann schnappte er sich einen dünnen Ast und flog damit einige Meter durch die Gegend. Solche Kapriolen hatten wir noch nie bei einem Greifvogel gesehen. Anschließend wurde erneut eine Laterne und dann ein Baum angeflogen, um sich dort zu räkeln und die Lage in Ruhe zu überblicken.



Zu guter Letzt ließ er sich auf einer Parkbank ganz in unserer Nähe nieder, betrachtete uns interessiert, und wir durften uns langsam bis auf circa drei Meter annähern. Der Mäusebussard strahlte eine Mischung aus Neugier und Erhabenheit aus. Wahrscheinlich war es ein Jungvogel, für den auch wir ein interessantes Forschungsobjekt waren. Nach einiger Zeit des gegenseitigen Begutachtens hob der majestätische Greifvogel wieder ab und flog entlang des Anlagenrings von dannen.


Nicht alle Tage kommt man einem frei lebenden Mäusebussard so nah - ein echtes Privileg und ein sehr einprägsamer Moment für uns.

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