Die Nidda - der befreite Fluss

Aktualisiert: vor 5 Tagen



Die Nidda entspringt im Vogelsberg, durchfließt Wetterau und Rhein-Main-Gebiet, und erreicht eine Länge von 90 Kilometern, bevor sie in Frankfurt-Höchst in den Main mündet. Bis zur Begradigung in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte der Fluss eine Länge von circa 120 Kilometern. Danach, um ein Viertel gekürzt, radikal begradigt und mit befestigten Ufern, war er nur noch ein Kanal. Ein Kanal, in den, bis in die 1980er Jahre, viele ungeklärte Abwässer flossen und dessen frühere Auenbereiche zugeschüttet und ausgetrocknet wurden. Ohne viel Phantasie kann man sich vorstellen, was das für Auswirkungen auf dort lebende Tiere und Pflanzen hatte. Das natürliche Leben in und am neuen Kanal erlosch weitestgehend. Nur noch besonders resistente Tierarten konnten sich halten, der Rest verschwand vom unwirtlichen Ort.


Es wäre naiv zu glauben, der Fluss wäre davor in einem nahezu natürlichen Zustand gewesen. Die Domestizierung begann schon mit dem Anlegen von Treidelpfaden durch die Römer, um den Fluss als Handelsweg zu erschließen. Ab dem Mittelalter kamen dann nach und nach immer mehr Wehre hinzu, um den Fluss für den Menschen besser nutzbar zu machen. Am Schluss war die Nidda in großen Bereichen nur noch eine Aneinanderreihung kleiner, verbundener Seenabschnitte. Den ursprünglich natürlichen Fluss gibt es schon seit vielen Jahrhunderten nicht mehr.


Schon vor der finalen Begradigung in den 60er Jahren gab es die Propheten der Renaturierung. Der prominenteste war Prof. Dr. Bernhard Grzimek. Er wies darauf hin, dass sicherlich die Nachfolgegenerationen mit großem Aufwand eine naturnahe Umgestaltung des Flusses anstreben würden. Und er behielt recht! Bewusstseinsänderungen in der Wertschätzung eines frei fließenden Flusses entstanden in großen Bevölkerungsteilen insbesondere auch durch die Flutkatastrophen in den Jahren 1993 (Rhein) und 2002 (Donau/Elbe). Plötzlich wurde es Allgemeingut: Zum Hochwasserschutz gehören freie Überflutungsgebiete. Damit war der Anspruch, von vermeintlich romantischen Naturliebhabern, auf einen mäandernden Fluss mit Auenwald und entsprechender Tierpopulation plötzlich nützlich geworden - auch aus Sicht von Nicht-Naturliebhabern.


Nach ersten Ansätzen der Renaturierung des Kanals in den 1980er Jahren (z. B. teilweise Wiederbepflanzung der Böschungen) wurden in den 1990er Jahren auch zunehmend Biotopverbesserungen an den zufließenden Bächen durchgeführt, Fischwechselhindernisse beseitigt und Wiederansiedlungsprojekte für ehemals typische Fischarten (z. B. Barbe, Nase) initiiert. Der Kanal, der wieder ein Fluss werden sollte, rückte zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Es gab Medienberichte, private und staatliche Förderprogramme, und der Prozeß entwickelte eine zunehmende Eigendynamik - sowohl im öffentlichen Bewusstsein als auch in den erfreulichen Ergebnissen an der Nidda.


Inzwischen, im Jahr 2020, ist der Renaturierungsprozeß an der Nidda weit fortgeschritten. Der Fluss kann auf etwa 40 Kilometern Länge frei fließen. Immer mehr Anliegergemeinden entwickeln eigene Schutz- und Belebungsmaßnahmen auch für die zufließenden Bäche. Viele, vormals verschwundene, Tier- und Pflanzenarten sind zurückgekehrt. Die völlig ausgestorbenen Barben sind streckenweise zur häufigsten Fischart geworden, Eisvogel und Biber haben sich dauerhaft häuslich eingerichtet und breiten sich weiter aus. Der Prozess ist beispielhaft für die Wasserrahmenrichtlinie der EU. Diese schreibt vor, dass alle europäischen Fließgewässer bis zum Jahr 2015 in einen naturnahen Zustand zurückzubauen sind. Das ist zwar noch nicht erreicht, erscheint aber, im Falle der Nidda, nicht mehr unrealistisch.


Die Nidda ist auf einem gutem Wege wieder das zu werden was sie früher schon war: Fischreichster Fluss Hessens und Beispiel für gelingende Renaturierung zum nachhaltigen Nutzen von Mensch und Natur.


Nidda-Altarm-Bonames: 2,5 Minuten entspannte Pause am winterlichen Fluss... ruhige Eindrücke für Genußmenschen


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