Der Zwergtaucher - auf das Beste reduziert

Aktualisiert: Okt 7



In den vergangenen Wochen sind mir in der Frankfurter Stadtwildnis des Öfteren Zwergtaucher begegnet. Bestimmt habe ich schon manche von ihnen übersehen, denn mit ihrer versteckten Lebensweise und der relativ zurückhaltenden Färbung drängen sie nicht gerade in den Vordergrund des Geschehens auf einem Gewässer. Sie sind nur circa amselgroß und werden auch oft als Entenküken betrachtet.

Zwergtaucher gehören aber zur Familie der Lappentaucher und sind zum Beispiel mit dem Haubentaucher verwandt. Der seltsam klingende Name Lappentaucher rührt von den Schwimmlappen an den Zehen, die diese Wasservogelfamilie anstelle von Schwimmhäuten besitzen. Diese Schwimmlappen an den Zehen haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber festen Schwimmhäuten: Sie falten sich beim Schwimmen in der Vorwärtsbewegung zusammen und reduzieren dadurch den Wasserwiderstand.


Alle Lappentaucher liegen viel tiefer im Wasser, als die meisten anderen Wasservögel, weil ihre Knochen nicht so stark mit Luft gefüllt sind. Dadurch sind sie prädestiniert für Tauchgänge bis zu 3 Minuten in 1-4 Meter Tiefe. Zusätzlich zu besonderen Knochen und Schwimmlappen haben diese Vögel ein dichtes, wasserabweisendes Gefieder mit mehr als 20.000 Einzelfedern. Lappentaucher sind optimiert für das Leben auf und unter Wasser. Sobald sie sich aber in die Lüfte schwingen wollen, benötigen sie, ähnlich wie Höckerschwäne, eine lange Anlaufstrecke mit schlagenden Flügeln bis zum Abheben. Deshalb ist das schnelle Untertauchen immer die bessere Wahl bei akuter Gefahr. Einmal in der Luft sind die Taucher aber auch gute Flieger und legen als Teilzieher und Zugvögel auch lange Distanzen zurück.

Den Zwergtaucher gibt es in Europa, Asien und Afrika. Er ist der kleinste europäische Lappentaucher. In Deutschland gilt er aktuell als ungefährdet, leidet aber dennoch unter einem Mangel an passendem Lebensraum. Er braucht ungestörte Stillgewässer mit starker Ufer- und üppiger Unterwasservegetation sowie ein gutes Nahrungsangebot aus Wasserinsekten, Kleinkrebsen, Kaulquappen, kleinen Fische und Schnecken. Der Mini-Taucher ist mit seinem Speiseplan auch unser kleinster fischfressender Wasservogel.

Weitere Besonderheiten:

· Zwergtaucher sind tag- und nachtaktiv

· "Seerohr-Technik" zur Tarnung (sie liegen zwischen Pflanzen so tief im Wasser, dass nur noch die obere Kopfhälfte aus dem Wasser schaut)

· Lose verankertes, schwimmfähiges Nest als Hochwasserschutz

· Zwergtaucherküken nutzen den Rücken der Eltern als Wassertaxi (bei Gefahr tauchen sie gemeinsam ab)

· Sie meiden Gewässer mit größeren Raubfischen (z.B. Hecht), diese werden den Jungen gefährlich

· Tauchen wird mit prägnantem kräftigem Sprung nach vorn eingeleitet (um schneller größere Tiefe zu erreichen)

· Durchschnittlicher Tauchvorgang dauert 5-40 Sekunden


Der Zwergtaucher führt ein eher verstecktes Leben. Wer aber einmal das typische Unter- und Auftauchen des agilen kleinen Vogels beobachtet hat, wird es auch künftig immer wieder aus der Ferne erkennen. Der Zwergtaucher selbst würde sich sicherlich nie als "klein" bezeichnen, vielmehr als "auf das Beste reduziert". Diese äußerst gelungene Reduktion im natürlichen Umfeld (mit dem gebotenen Abstand) zu beobachten, ist eine spannende und unterhaltsame Beschäftigung. Geduld lohnt sich!

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