Der Kleinspecht – ein sehr großer Sympathieträger

Aktualisiert: 6. Feb.

„Den, der ihn kennt, den hat er zum Freunde“, so stand es schon in Brehms Tierleben von 1922.



Weltweit gibt es fast 200 Spechtarten. Bei uns in Deutschland leben 10 davon: Kleinspecht, Mittelspecht, Buntspecht, Grünspecht, Grauspecht, Schwarzspecht, Weißrückenspecht, Blutspecht, Dreizehenspecht und Wendehals.


Der Kleinspecht steht in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Vögel. Hauptgrund dürfte der Verlust seiner angestammten Lebensräume sein. Kleinspechte lieben Auenbereiche, Bruch- und Moorwälder mit entsprechenden Weichholzbeständen (Aspe, Pappel, Weide, Birke). Als Ersatzlebensräume nehmen sie gerne auch Streuobstwiesen an. Vereinzelt findet man sie (bei guten Rahmenbedingungen) auch in Gärten und Parks. Sie benötigen stehendes Totholz mit holzbewohnenden Insekten als Nahrungsgrundlage. Durch diese Spezialisierung auf schwindende Lebensräume hat der Kleinspecht ein Problem. Zum Ausgleich müssen seine Reviere immer größer werden, um den Nahrungsbedarf überhaupt decken zu können. Kleinspechtreviere können im Winter bis zu 600 ha (circa 600 Fußballfelder) umfassen. Das ist beachtlich für einen 20 g leichten und nur 15 cm (spatzen-)großen Vogel.



Vom Aussehen her ähnelt ein Kleinspecht dem Weißrückenspecht, allerdings ohne das Rot am Unterschwanz. Männchen und Weibchen des Kleinspechts unterscheiden sich lediglich durch den roten Scheitel des Männchens.


Als kleinster Vertreter der europäischen Spechte führt er ein weitgehend verborgenes Leben. Zumeist hoch oben in den Bäumen und, begünstigt durch sein leichtes Gewicht, auf den dünnsten Ästen und Zweigen auf der Jagd nach Käfern, Larven, Raupen, Läusen, Spinnen und Schnecken. Damit hat er sich seine eigene Nische erschlossen und kommt nicht in Konkurrenz zu anderen Spechtarten. Andere Spechte, insbesondere der Buntspecht, stellen allerdings eine Gefahr für seine Brut dar. Zwar ist der Eingang zur Bruthöhle nur 32 mm im Durchmesser, aber sobald ein Buntspecht sie entdeckt, wird sie aufgemeißelt und die Brut ist dahin. Auch deshalb verhalten sich Kleinspechte schon vorsorglich sehr unauffällig. Sie sind insgesamt schwierig zu entdecken. Deshalb weiß man über sie noch deutlich weniger als über die große Verwandtschaft.


Als Wildnisbotinnen beteiligen wir uns nun im zweiten Jahr ehrenamtlich am Kleinspecht-Projekt („Kleiner Specht – große Rolle“) in Hessen und Bayern (www.kleinspecht.de). Im Kleinspecht-Projekt sammeln wir gemeinsam mit weiteren Interessierten aus Hessen und Bayern Daten zu den Beständen und Brutgewohnheiten dieses sympathischen Vogels, um durch größeres Wissen künftig mehr zu seiner Unterstützung tun zu können. Wir arbeiten mit Klangattrappen auf fest definierten Zählrouten. Bei drei Begehungen in den frühen Morgenstunden der Brutzeit versuchen wir den Kleinspecht nachzuweisen, indem wir durch das Abspielen seiner Rufe eine Antwort provozieren. Auch detaillierte Aufzeichnungen zum Lebensraum werden durchgeführt. Die Königsdisziplin ist das Finden einer Bruthöhle – was uns bisher noch nicht gelang. Aber der Glücksmoment bei der ersten Kleinspecht-Sichtung im vergangenen Jahr war gigantisch. Und als wir sogar Fotos und Filmaufnahmen machen konnten, schwebten wir auf Wolke 7 des Naturschutzes.


In diesem Jahr geht es ab Ende März in die zweite Runde. Wir freuen uns schon sehr auf die spannende Suche im Morgengrauen. Und falls jemand Blut geleckt haben sollte: Der Einstieg ins Kleinspecht-Projekt ist auch für dieses Jahr noch möglich (www.kleinspecht-projekt.de).


Eifrig trommelndes Kleinspecht-Männchen auf dem Frankfurter Heiligenstockgelände






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