Das Rätsel unterm Wildrosenbusch

Aktualisiert: vor 5 Tagen


Ein trüber Wintertag trumpft wahrlich nicht mit der ganzen Bandbreite von Farben auf, nein, verhalten und bodenständig zeigt er sich. Es dominieren die Erdfarben und ein alles überwucherndes strohiges Olivgrün, da ist einfach nichts machen. Und wenn man den Frühling noch so herbeisehnt oder gar meint, man könne ihn dazu bewegen sich zu beeilen, man ist gezwungen sich demutsvoll in Geduld zu üben.

Doch genau dann gibt es für mich nichts besseres als sich irgendwo in der Natur herum zu treiben. Heute waren die Felder komplett aufgeweicht vom nächtlichen Dauerregen. Die Wege waren derart schlammig, dass ich es vorzog, querfeldein über die Streuobstwiese zu schlendern. Eine dicke Masse von hartnäckigem Schlamm hatte sich bereits an meine Schuhsohlen geheftet und sollte sie nicht mehr loslassen.


An diesem grauen Novembertag strahlten die Hagebutten der Wildrosen so feuerrot gegen den unbarmherzigen Horizont, als wäre es ihr drängendstes Anliegen, dass ich ihnen beim Vorbeigehen gebührende Beachtung schenken möge. Das tat ich auch, angezogen von ihrem kraftvollen Rot, war es schließlich der einzige bunte Farbklecks weit und breit. Nur noch ein paar gelbe Äpfel hingen verloren an einem knorrigen Obstbaum. Sie schienen das einzige zu sein, was die ziehenden Stare den Bewohnern der Streuobstwiese für den Winter übrig gelassen hatten.


Doch warum wagte sich eigentlich kein Vogel an diese verlockenden Hagebutten ran? Rangen diese farbenfrohen Früchte nicht mit Hingabe um ein endlich Gefressenwerden?

Während ich selbstvergessen über eine mögliche Verwertung sinnierte, wurde mein Blick auf einen Häufchen von zerkleinerten Hagebutten am Fuße des Wildrosenbusches gelenkt, vor dem ich stehen geblieben war. Ich bückte mich und entdeckte eine seltsam anmutende Masse von Früchten, die in ihre Einzelteile zerlegt waren. Es wirkte wie eine Anhäufung von zerhäckselten Hagebutten, geradezu so, als hätte ein Vogel sie vielleicht nicht vertragen. Doch welcher Vogel ließ so viele Hagebutten achtlos unter sich auf den Boden fallen? Da entdeckte ich noch mehr von diesen merkwürdigen Hagebuttenhäufchen, fein säuberlich drapiert rings herum um den ganzen Busch. Ich suchte den benachbarten Wildrosenstrauch ab. Und tatsächlich, überall entdeckte ich diese zerkleinerten Hagebutten. Waren das Vögel gewesen? Aber warum hinterließen sie so viele Hagebutten unter sich? Und warum waren sie immer zu kleinen Bergen angehäuft?

Ich kniete mich vor einen dieser rätselhaften Gebilde und studierte es eindringlich. Da lag eine halbe Walnussschale mitten in den Hagebutten und deren Kernen, die nun bei näherer Betrachtung wie die Überreste eines nächtlichen Gelages anmuteten.

Wer konnte das gewesen sein? Vielleicht ein Vogel, der genau darüber auf einem der Dornenzweige gesessen hat? Aber warum all diese Häufchen rings herum und das unter fast jedem Wildrosenbusch?


Da entdeckte ich etwas, was mich der Lösung dieses Rätsels endlich näherbrachte: vor fast jedem dieser leuchtend roten Häufchen befand sich versteckt ein Mauseloch. Ach so war das also, kein Vogel, sondern eine Maus futtert scheinbar mit großer Vorliebe Hagebutten und zwar direkt vor ihrem Mauseloch.


Wie war das noch gleich mit den Mäusen, erschrecken die Menschen, können gut klettern und fressen Käse? Nein, so einfach ist das ganz bestimmt nicht. Es gibt viele verschiedene Arten von Mäusen. Und jede Art hat ihre Vorlieben und spezifischen Angewohnheiten.

Und was die Hagebuttenberge betrifft: Die nachtaktiven Gelbhalsmäuse sind sehr geschickte Kletterer und lieben Hagebutten. Sie fressen aber nicht das saftige Hagebuttenfleisch, sondern nur das fetthaltige Innere der Kerne. Das ist im Winter auch äußerst sinnvoll. Vorrat an den Sträuchern gibt es genug. Das ist also der Grund, dass so viele Hagebutten in ihre Einzelteile zerkleinert vor den Mauselöchern liegen....So spannend kann ein grauer Wintertag sein!




INSTA-RÄTSEL
,Wenn ihr Spaß am rätseln habt und dabei gleich auch ein wenig  "Nerd-Wissen" zur Natur sammeln wollt, dann schaut euch doch einmal unsere Insta-Rättsel an.. Fast täglich giebt es neue Herausforderungen.
​wildnisbotin.raetsel
Ihr  erfahrt  beispielsweise:
- warum die Buchfinkenmännchen nicht
  mit den Weibchen in den Süden ziehen
- was eine Puderdune ist und wer eine hat
- wie die Stockente zu ihrem Namen kam
Insta Profilbild Winter 20-21.jpg
DIE VOGELGUCKERIN
vogelguckerin_logo_schrift_png.png
 
Wenn ihr euch ganz besonders für die heimische Vogelwelt interessiert, dann empfehlen wir euch  einen Besuch bei der Vogelguckerin Silke Hartmann.
Hier, ein toller Artikel für EinsteigerInnen in Sachen Vogelbeobachtung.
10  GUTE  TIPPS 
UM  MEHR  VÖGEL ZU  SEHEN
Und wie geht Vogelbeobachtung in der Stadt?.
DIE  BESTEN  ORTE  IN  DER  STADT UM  VÖGEL ZU  SEHEN
Drer lesenswerte aktuelle Blogartikel.
G R A U G A N S . 
D I E   S O Z I A L E  R I E S I N
UNSERE  NÄCHSTEN FÜHRUNGEN
,
Wegen der Corona-Pandemie sind, bis auf weiteres, alle unsere  Führungen, abgesagt. Aktuelle Änderungen und mögliche Nachholtermine teilen wir hier zeitnah mit.
Wir hoffen ab Dezember 2020 wieder Winterführungen in der Frankfurter Stadtnatur  anbieten zu können, müssen aber die aktuelle Lage abwarten.
Informationen auch auf der Homepage
WildnisBotin_Logo.png
UNSER        YOUTUBE-KANAL
Eine  Möglichkeit sich die Stadtwildnis zuminndest  schon einmal atmosphärisch nach Hause zu holen.
Auf unserem YouTube Kanal findet ihr unsere Filme zu Themen der Frankfurter Stadtnatur. Taucht ein in die Atmosphäre des Frankfurter Großstadtdschungels.
YouTube-Logo.png
  • Facebook Social Icon
  • Instagram
  • Twitter Social Icon

©2019-2020  Alle auf dieser Homepage veröffentlichten Bilder und Texte dürfen nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung von wildnisbotin.de von Dritten verwandt werden.