Ästhetik im Gewöhnlichen

Aktualisiert: 26. Nov. 2020



Vor kurzem war ich, an einem grauen Wintertag, mit meiner Kamera auf "Fotosafari" am Berger Nordhang unterwegs. Ich hatte Zeit und stromerte relativ ziellos über die Streuobstwiesen. Im Hinterkopf aber schon das Ziel, ein paar schöne Fotomotive zu finden.


Auf einmal fiel mein Blick auf eine Pfütze unter einer großen Weide. Ich blieb stehen und begann die Pfütze genauer zu betrachten. Gleichzeitig schob sich die Sonne etwas hinter den dichten Wolken hervor und es entstanden Spiegelungen im Wasser. Ich stand eine ganze Weile an dieser Pfütze, und je länger ich stand und schaute desto ästhetischer fand ich den Gesamteindruck der sich mir bot. Eine Gesamtkomposition aus perfekt abgestimmten, gedämpften, kraftvollen Farben. Materialien in verschiedenen Phasen der Zersetzung. Lebendigkeit durch strahlend grünes, samtweiches Moos und Lichtspiegelungen im Wasser. Braungraue, feuchte Erde, mit dem Versprechen neuen Lebens sobald die Tage wieder länger und wärmer werden. In dieser gewöhnlichen Pfütze auf einer Wiese unter einem Baum war auf einmal, neben ihrer ureigenen Schönheit, die ganze Geschichte des Werdens und Vergehens in der Natur enthalten.


Wie grossartig, was für eine schöne Erfahrung dachte ich als ich schliesslich weiterging. Und mir wurde klar: Wenn ich ohne große Erwartungen und ohne Zeitdruck in der Natur unterwegs bin kann ich überall, in jeder gewöhnlichen Struktur, Ästhetik finden. Sei es nun die Pfütze, eine kleine Vogelfeder oder die Rinde eines Baumes... Ich bin umgeben von Schönheit und darf sie immer genießen, wenn ich es möchte. Das macht mich glücklich und dankbar.





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